Schimpansen in Sierra Leone
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Oft grausam in Gefangenschaft als Haustiere gehalten, manchmal gejagt wegen ihre Fleisches und oft scharenweise als Versuchstiere nach Europa exportiert, die Schimpansenpopulation in Westafrika hat sich dramatisch verringert.
In Sierra Leone, nur 30 Minuten von Freetown entfernt, wurde vor 15 Jahren ein Schimapnsen-Schutzprojekt gergründet, das im heutigen Tacugama Forest Reserve zuhause ist.
In den frühen 70er Jahren gab es in Sierra Leone schätzungsweise 20.000 Schimpansen, heute sind es nur noch etwa 1500 bis 2500 Tiere.
Es ist zwar verboten, Schimpansen einzufangen, zu besitzen, zu töten oder als Haustiere zu halten, aber die traurigen Fakten zeigen, dass diese Verbote regelmäßig ignoriert werden.
Manche Schimpansen oder Chimps, wie sie dort genannt werden, werden als Touristenattraktion gehalten, andere werden als Haustiere angeschafft, wenn sie klein und süß sind und später dann, wenn sie groß und unkontrollierbar sind, werden sie mit Drogen und Valium ruhiggestellt.
Sogar der Sohn des Ex-Präsidenten hatte einen Schimpansen, bis er davon überzeugt werden konnte, das Tier in das Schutzreservat zu geben.
Heute haben mehr als 85 Primaten ein sicheres Zuhause im Tacugama Reservat gefunden, sie klettern durch die Bäume, schreien nach Herzenslust, spielen wie Kinder, tauschen Zärtlichkeiten aus und lausen und flöhen sich gegenseitig, keiner der Besucher kann sich ihrem Bann entziehen.
Doch nicht nur Menschenaffen leben in Tacugama, auch mehr als 100 Vogelarten wurden im Forest Reserve spezifiziert, ein Besuch lohnt sich also unbedingt.
Jeder Schimpanse hat seine Eigenarten, das ist nicht anders als beim Menschen.
"Joke" z.B. wirft manchmal Steine auf Schaulustige und "Chica" schrie zu Anfang in ihrer Verzweiflung, bis sie sich besser eingelebt hatte und nun entspannt in ihrer Hängematte chillt.
Die DNA der Schimpansen gleicht zu 98,6% der des Menschen, und wenn man mit den Tieren Zeit verbringt, dann sind die Ähnlichkeiten mit den menshclichen Reaktionen und Emotionen immer weider verblüffend.
Das Verhalten der Tiere erscheint uns oft sehr leicht verständlich, vor allem die Rufe und Mimiken und Gesten, sie sind auch auf einem Schild am Eingang des Reservates erklärt und so kann man versuchen, einen kleinen Smalltalk mit den Schimpansen zu führen.
Doch die 1,4% DNA-Unterschied machen eine Menge aus, sie sind nach wie vor wilde Tiere, daher werden sie in stabilen, elektrisch eingezäunten Gehegen gehalten. 2006 sind einige Schimpansen aus dem Reservat ausgebrochen und haben dabei auch Menschen verletzt.
Jeder Neuankömmling im Reservat muss erst eine dreimonatige Quarantänezeit durchlaufen, dann erfolgt eine Eingewöhnung mit Gleichaltrigen, bevor sie dann endgültig in eine er fünf Schimpansengruppen entsprechend ihrem Temperament integriert werden.
Im Reservat werden täglich geführte Touren zwischen 10:30 und 16:00 angeboten.
Quelle: Bradt: Sierra Leone (Katrina Manson, James Knight)

